Gymnophobie überwinden – Befreie dich von der Angst vor Nacktheit in 3 Schritten

Gymnophobie

Definition der Gymnophobie: Medizinisch zählt die Gymnophobie zu den spezifischen Phobien. Sie bezeichnet die krankhafte Angst vor Nacktheit, die sich von der übertriebenen Scham vor Nacktheit abhebt.

Die Gymnophobie kann aber auch philosophisch betrachtet und gedeutet werden. Ich habe mich in meinem kulturphilosophischen Werk Die Objektität des Bewusstseins tief damit auseinandergesetzt. Gerne gebe ich dir Einblicke in die Ergebnisse meiner Arbeit.

In diesem Leitfaden wirst du lernen,

1. Warum die Gymnophobie mehr als eine medizinische Krankheit ist.

Tatsächlich mag es Menschen geben, die Angst haben, sich beispielsweise für eine Untersuchung beim Arzt nackt auszuziehen und in dieser Situation die typischen körperlichen Symptome wie Zittern, Engegefühl, Herzrasen oder Schweißausbruch erleben, die von einer Angststörung ausgehen können. Gymnophobe Menschen vermeiden deshalb Vorsorgeuntersuchungen oder Arztgänge überhaupt, um sich nicht entblößen zu müssen. Das kann gravierende Folgen für ihre Gesundheit haben.

Ziehe einmal den Vergleich von der Gymnophobie zum Begriff der Homophobie. Es ist doch merkwürdig, dass das Verständnis von der Homophobie gemeinhin ein ganz anderes zu sein scheint als es bei der Bezeichnung für die Angst vor der (eigenen) Nacktheit, der Gymnophobie, der Fall ist. Oder hast du schon mal einen homophoben Menschen gesehen, der die körperlichen Symptome seiner Angststörung erfährt, weil er einer homosexuellen Person gegenübersteht? Wohl kaum.

Der Grund dafür ist einfach. Die sogenannte Homophobie ist keine tatsächliche medizinische Angststörung, sondern eine Diskriminierungsform. – Und für den Moment kurz davon abgesehen: Auch hier ist im Grunde nicht ausgeschlossen, dass es Menschen gibt, die im Sinne des medizinisch aufgefassten Begriffs homophob sind, dass sie Panikattacken ausgesetzt sind, weil sie mit einer lesbischen Person sprechen. Wahrscheinlich bleibt diese Möglichkeit unbeachtet, weil sich dieses krankhafte Verhalten nicht direkt auf die Gesundheit der Betroffenen auswirkt. Schließlich ist ihnen der Gang zu einem (mutmaßlich) heteronormativ geprägten Arzt prinzipiell möglich.

Beim gängigen Begriff der Gymnophobie ist es nun genau andersherum. Während bei der Homophobie der medizinische Begriff gängig, aber falsch ist, weil es sich eigentlich um eine Diskriminierungsform handelt und besser mit Lesben- oder Schwulenfeindlichkeit bezeichnet wird, fehlt diese Bezeichnung oder Lesart wiederum bei der Gymnophobie völlig. Im öffentlichen Diskurs existiert kein gewachsener Ausdruck, der die Nacktfeindlichkeit unserer Gesellschaft und Kultur benennt. Doch diese ist allgegenwärtig. Und ihre Leugnung scheint nur deshalb zu funktionieren, weil sich kaum jemand über dieser Art der Diskriminierung von Menschen bewusst ist.

Gymnophobie überwinden

2. Warum es wichtig für dich und unsere Gesellschaft ist, die Angst vor Nacktheit zu überwinden.

Von Menschen, die gegenüber der Homosexualität Vorbehalte oder gar eine feindselige Einstellung haben, forderst du wahrscheinlich mehr Toleranz ein. Du findest es nicht gut, wenn sie zu zwei sich küssenden oder Händchen haltenden Menschen gleichen Geschlechts sagen: „Müsst ihr das in der Öffentlichkeit tun? Ich will so etwas Perverses nicht sehen müssen!“ – Jetzt stell dir vor, dir begegnen ein nackter oder nackte Menschen, die im Eigentlichen nichts anderes machen als vielleicht du, sprich: den Müll herausbringen, Gartenarbeit, Spazierengehen, jemanden abholen, sich sonnen … Was denkst du?! Etwa, ob das in der Öffentlichkeit sein muss; gar, dass du so etwas Perverses nicht sehen willst?

Es ist eben einfacher auf andere zu zeigen, während man für dasselbe (!) Verhalten bei sich selbst blind ist! Du hattest einfach nicht mit dieser Möglichkeit gerechnet, dass dir in der Öffentlichkeit nackte Personen begegnen können, oder du dachtest, dass man so etwas nicht mache. Es ist zwar verständlich, dass dir in einer solchen Situation derart ablehnende Gedanken in den Kopf schießen. Nur: Reflektiert oder tolerant sind sie nicht.

Wenn es dir aber darum geht, intoleranten und feindlichen Haltungen von Menschen gegenüber anderen Menschen, die eine andere Lebensweise haben, tatsächlich entgegenzuwirken, dann darfst du das gymnophobe, sprich nacktfeindliche, Klima in unserer Gesellschaft nicht ausklammern; ganz so als ob es nicht existent sei, weil vermeintlich offenbar niemand darunter zu leiden scheint oder darüber spricht. Vielmehr zeigt sich hier an der Wurzel echter Toleranz, in welchem Maße eine Gesellschaft wirklich und tatsächlich tolerant ist, ohne dass der Einzelne deshalb Schwul sein muss, weil er sich küssende Männer, oder nackt, weil er unbekleidete Menschen sieht.

Für eine tolerante Gesellschaft, in der viele verschiedene Lebenskonzepte um ihre Anerkennung und um die Möglichkeit ihrer freiheitlichen Ausübung ringen, spielt die Akzeptanz der Nacktheit nun eine noch fundiertere Rolle als das gesellschaftliche Lernen homophilen Verhaltens. Denn so wichtig Letzteres ist, vitaminreiche Nahrung erhält es erst dann, wenn wir wahrhaft tolerant leben und die Freiheiten anderer nicht nur selektiv respektieren. Denn ein Indikator hierfür, ob wir es schaffen können, strukturelle Ismen abzubauen, ist nun der Blick und der moralische Einbezug auf das Maß an Gymnophobie in unserer Gesellschaft. Schärfe auch du deinen Blick (!) für das, was die Menschlichkeit des Menschen ausmacht: Sein Leib, für den er sich unter keinen Umständen zu schämen braucht.

3. Wie du die Gymnophobie überwinden kannst.

Es gab einmal eine Zeit, da waren homosexuelle Menschen auf sich selbst gestellt. Es gab keinerlei Institutionen, an die sie sich hätten wenden, geschweige denn Hilfe einholen können. Schlimmer noch: Homosexualität stand (und steht in anderen Teilen unserer Welt) unter Strafe! Nun bin ich selbst nicht homosexuell, oder besser gesagt nicht in dem Maße homosexuell, dass ich einen Leidensdruck verspüre, weil ich diese Facette meiner Persönlichkeit in der Öffentlichkeit verleugnete. Ich stehe aber dennoch vehement für die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität ein, weil ich weiß, wie wichtig mein Einstehen für die Rechte anderer auch dann ist, wenn ich selbst nicht von ihrer Unterdrückung betroffen bin.

Du kannst dich nun auch über die Menschen informieren, die gerne nackt sind! Hier wie dort brauchst du keine Angst haben, dass dir wider Willen aufgepfropft würde, was du nicht willst. Um was es bei deiner Offenheit und deinem Interesse an der Lebensweise anderer geht, ist viel wichtiger, als dass du selbst sie übernimmst. Es geht darum, die Werte der Freiheit, des Respekts und der Toleranz wahrhaft zu leben und sie sich nicht nur auf die Fahnen zu schreiben. Die Akzeptanz jedweder Lebensweise, die ihrerseits die Freiheiten und Rechte anderer nicht gefährdet oder infrage stellt, gehört unbedingt zu einer moralisch fortschrittlichen Gesellschaft.

Fazit

Es kann gut sein, dass du das Bedürfnis nackt zu sein, nicht hast. Dir steht gar nicht der Sinn danach oder dir reicht es völlig aus, etwa in der Sauna nackt zu sein. Das darfst du gerne so beibehalten. Aber es gibt auch andere Menschen, die sich von der Regel, im öffentlichen Raum fast immer und nahezu ausnahmslos bekleidet sein zu müssen, zu Recht diskriminiert fühlen und darunter leiden. Moralischer Fortschritt zeichnet sich aber gerade dadurch aus, dass die Interessen und Lebensweisen anderer auch dann nicht übergangen werden, wenn man selbst oder die Mehrheitsgesellschaft diese nicht hat oder pflegt. Das Leben von hochgehaltenen Werten verlangt zuweilen das von einem ab, was man vom anderen erwartet!

1 Kommentar

  1. Aus eigener Erfahrung hatte ich nie Probleme nackt zu sein. Schon als Kind hatte ich das Bedürfnis diesen natürlichen Zustand auszuleben. In der Pubertät war es für mich auch kein Problem, da wir nach dem Training oder einem Spiel immer zusammen nackt duschten. Bis heute versuche ich so oft es geht nackt zu leben. Ob in der Freizeit oder im Urlaub. Für mich ist das ein Gefühl der Freiheit, die meiner Seele gut tut. Ich wünsche mir, dass die Menschen, die das nicht kennen, es einfach mal ausprobieren, um sich eine eigene Meinung daraus zu bilden. Es ist so einfach. Nur Mut, getraut euch.

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